Reverses T3 (rT3) ist ein inaktives Abbauprodukt des Schilddrüsenhormons T4. Während aus T4 normalerweise das stoffwechselaktive T3 gebildet wird, kann der Körper unter bestimmten Bedingungen stattdessen vermehrt rT3 produzieren.
rT3 wirkt wie eine natürliche Stoffwechselbremse. Es besetzt teilweise dieselben Rezeptoren wie T3, entfaltet selbst aber keine stoffwechselsteigernde Wirkung.
Wann steigt rT3 an?
- Chronischer Stress
- Akute oder chronische Erkrankungen
- Entzündungen
- Kalorienrestriktion und Fasten
- Starke Gewichtsabnahme
- Operationen und Traumata
- Nährstoffmängel, insbesondere Selen, Eisen oder Zink
Typische Beschwerden bei erhöhtem rT3:
- Müdigkeit
- Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme oder Abnehmstagnation
- Kälteempfindlichkeit
- Konzentrationsstörungen
- Verminderte Leistungsfähigkeit
Besonders interessant ist, dass TSH, fT4 und sogar fT3 dabei oft noch im Normbereich liegen können. Betroffene fühlen sich dennoch wie bei einer Schilddrüsenunterfunktion.
Dieses Phänomen wird häufig als “Low-T3-Syndrom” oder “Non-Thyroidal Illness Syndrome” bezeichnet und stellt eine Anpassungsreaktion des Körpers auf Belastungen dar.
Für die Beurteilung von rT3 sollte immer das Gesamtbild betrachtet werden:
- TSH
- fT4
- fT3
- rT3
- Eisenstatus
- Entzündungsmarker
- Stressbelastung
- Ernährungszustand
Merksatz:
Nicht jede Schilddrüsenunterfunktion entsteht durch zu wenig Hormone. Manchmal produziert der Körper bewusst mehr rT3, um den Stoffwechsel zu verlangsamen, Energie zu sparen, oder um den Körper zu schützen. Dieses Schutzprogramm kann kurzfristig sinnvoll sein, langfristig aber natürlich Beschwerden verursachen. Viele Ärzte kennen diesen Wert gar nicht und deshalb wird er selten im Blut bestimmt. Die Kassa bezahlt den Wert nicht, die Bestimmung ist aber in vielen Fällen sehr sinnvoll und ist gar nicht so teuer. Auch Patienten mit einer T4-Therapie sollten bei anhaltenden Beschwerden diesen Wert kontrollieren lassen.
