NDT – Schilddrüsenhormone nach dem Vorbild der Natur

NDT (Natural Desiccated Thyroid) ist ein Schilddrüsenhormonpräparat natürlichen Ursprungs, das aus gereinigtem Schilddrüsengewebe gewonnen wird. Bekannte Vertreter sind beispielsweise NDT-Präparate wie Metavive. Das war bis in die 1970er Jahre übrigens die Standardtherapie für die Schilddrüsenunterfunktion.

Man muss sich das in etwa vorstellen. Die heutzutage angewandte T4-Therapie funktioniert bei circa 50% der Patienten sehr gut, bei weiteren 30-40% mässig und bei 10-20 % leider gar nicht!

Im Gegensatz zu einer reinen T4-Therapie enthält NDT gleich mehrere Schilddrüsenhormone gleichzeitig. Dazu gehören T4 (Thyroxin), T3 (Trijodthyronin) sowie kleinere Mengen von T2, T1 und Calcitonin. Insgesamt produziert die Schilddrüse ja in etwa 30 Hormone.

Warum ist das interessant?

Die menschliche Schilddrüse produziert nicht nur T4, wie das in der heutigen Standardtherapie mit Thyrex oder Euthyrox gemacht wird. Auch T3 und weitere Schilddrüsenhormone entstehen um Körper durch Umwandlung natürlicherweise und wirken gemeinsam als fein abgestimmtes Hormonsystem.

Mögliche Vorteile von NDT:

• Enthält sowohl T4 als auch das aktive Hormon T3, und alle restlichen Hormone der Natur.
• Liefert zusätzlich geringe Mengen von T2 und weiteren Schilddrüsenbestandteilen wie Enzyme, Jod und Selen.
• Umgeht teilweise die Probleme der T4-zu-T3-Umwandlung
• Kann bei ausgewählten Patienten zu einer Verbesserung von Energie, Konzentration und Wohlbefinden beitragen
• Entspricht eher dem natürlichen Hormonspektrum der Schilddrüse

Wann sollte NDT angesprochen werden?

Ein Teil der Patienten fühlt sich trotz normaler Laborwerte unter einer reinen T4-Therapie weiterhin müde, antriebslos oder eingeschränkt belastbar. In solchen Fällen wird von einigen Ärzten eine Therapie mit NDT oder einer Kombination aus T4 und T3 erwogen.

Besondere Bedeutung von T2

Neben T4 und T3 rückt zunehmend auch T2 (3,5-Diiodthyronin) in den Fokus der Forschung. Studien deuten darauf hin, dass T2 eine Rolle für den Energiestoffwechsel, die Mitochondrienfunktion und die Fettsäureverbrennung spielen könnte.

Worauf ist zu achten?

NDT ist ein wirksames Schilddrüsenhormon und sollte ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Regelmäßige Kontrollen von TSH, fT4, fT3 sowie der klinischen Symptome sind wichtig, um eine Über- oder Unterdosierung zu vermeiden.

Fazit

NDT stellt eine interessante Alternative für ausgewählte Patienten dar, insbesondere wenn unter einer reinen T4-Therapie weiterhin Beschwerden bestehen. Ziel jeder Schilddrüsentherapie bleibt nicht nur die Normalisierung von Laborwerten, sondern vor allem die Wiederherstellung von Energie, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.


rT3 – wenn die Schilddrüse bremst

Reverses T3 (rT3) ist ein inaktives Abbauprodukt des Schilddrüsenhormons T4. Während aus T4 normalerweise das stoffwechselaktive T3 gebildet wird, kann der Körper unter bestimmten Bedingungen stattdessen vermehrt rT3 produzieren.

rT3 wirkt wie eine natürliche Stoffwechselbremse. Es besetzt teilweise dieselben Rezeptoren wie T3, entfaltet selbst aber keine stoffwechselsteigernde Wirkung.

Wann steigt rT3 an?

  • Chronischer Stress
  • Akute oder chronische Erkrankungen
  • Entzündungen
  • Kalorienrestriktion und Fasten
  • Starke Gewichtsabnahme
  • Operationen und Traumata
  • Nährstoffmängel, insbesondere Selen, Eisen oder Zink

Typische Beschwerden bei erhöhtem rT3:

  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Gewichtszunahme oder Abnehmstagnation
  • Kälteempfindlichkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Verminderte Leistungsfähigkeit

Besonders interessant ist, dass TSH, fT4 und sogar fT3 dabei oft noch im Normbereich liegen können. Betroffene fühlen sich dennoch wie bei einer Schilddrüsenunterfunktion.

Dieses Phänomen wird häufig als “Low-T3-Syndrom” oder “Non-Thyroidal Illness Syndrome” bezeichnet und stellt eine Anpassungsreaktion des Körpers auf Belastungen dar.

Für die Beurteilung von rT3 sollte immer das Gesamtbild betrachtet werden:

  • TSH
  • fT4
  • fT3
  • rT3
  • Eisenstatus
  • Entzündungsmarker
  • Stressbelastung
  • Ernährungszustand

Merksatz:

Nicht jede Schilddrüsenunterfunktion entsteht durch zu wenig Hormone. Manchmal produziert der Körper bewusst mehr rT3, um den Stoffwechsel zu verlangsamen,  Energie zu sparen, oder um den Körper zu schützen. Dieses Schutzprogramm kann kurzfristig sinnvoll sein, langfristig aber natürlich Beschwerden verursachen. Viele Ärzte kennen diesen Wert gar nicht und deshalb wird er selten im Blut bestimmt. Die Kassa bezahlt den Wert nicht, die Bestimmung ist aber in vielen Fällen sehr sinnvoll und ist gar nicht so teuer. Auch Patienten mit einer T4-Therapie sollten bei anhaltenden Beschwerden diesen Wert kontrollieren lassen.


Östrogendominanz

Östrogendominanz beschreibt ein hormonelles Ungleichgewicht, bei dem die Wirkung von Östrogen im Verhältnis zu Progesteron überwiegt. Besonders häufig tritt dies in der Perimenopause auf – also in den Jahren vor der Menopause, wenn die Hormonproduktion zunehmend schwankt.

Viele Frauen haben in dieser Phase nicht zu wenig, sondern zeitweise sogar relativ zu viel Östrogen im Verhältnis zum sinkenden Progesteron. Ursache sind häufig anovulatorische Zyklen oder eine unzureichende Gelbkörperfunktion.

Wann entsteht eine Östrogendominanz?

Typisch ist die Phase zwischen etwa dem 40. und 52. Lebensjahr. In der Perimenopause beginnt der Eisprung unregelmäßiger zu werden. Dadurch sinkt oft zuerst Progesteron deutlich ab, während Östrogen noch schwankt oder phasenweise sogar erhöht sein kann.

Dadurch entsteht ein relatives hormonelles Ungleichgewicht.

Warum ist Progesteron so wichtig?

Progesteron wirkt im Körper unter anderem:

  • beruhigend und schlaffördernd
  • ausgleichend auf Stimmung und Nervensystem
  • entzündungshemmend
  • unterstützend für Stoffwechsel und Gehirn
  • schützend für Gebärmutterschleimhaut und Brustgewebe

Fehlt Progesteron relativ zum Östrogen, können zahlreiche Beschwerden entstehen.

Mögliche Symptome einer Östrogendominanz

  • Gewichtszunahme, besonders am Bauch
  • Wassereinlagerungen
  • Brustspannen
  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
  • Ängstlichkeit oder innere Unruhe
  • Erschöpfung
  • Migräne oder Kopfschmerzen
  • Stärkere oder unregelmäßige Blutungen
  • PMS-ähnliche Beschwerden
  • Konzentrationsprobleme
  • Verminderte Stressresistenz

Warum verstärken Stress und Lebensstil das Problem?

Chronischer Stress erhöht die Cortisolbelastung und kann die Progesteronbildung zusätzlich beeinträchtigen. Gleichzeitig fördern Schlafmangel, Insulinresistenz, Alkohol, Bewegungsmangel und viszerales Fett hormonelle Dysbalancen und entzündliche Prozesse.

Diagnostik

Die Abklärung erfolgt individuell anhand von Beschwerden, Zyklusveränderungen und Laborwerten. Je nach Situation können unter anderem Estradiol, Progesteron, LH, FSH, DHEA, Cortisol, Schilddrüsenwerte und Stoffwechselparameter sinnvoll sein.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach Beschwerden, Zyklusstatus, Stoffwechsel und individueller Lebenssituation.

Mögliche Bausteine sind:

  • Optimierung von Schlaf und Stressregulation
  • Ernährung und Stabilisierung des Blutzuckers
  • Bewegung und Muskelaufbau
  • Gewichtsreduktion bei Insulinresistenz
  • Mikronährstoffmedizin
  • Phytotherapie
  • Unterstützung der Progesteronbalance
  • Individuell angepasste bioidentische Hormontherapie

Ziel ist nicht nur die Behandlung einzelner Symptome, sondern die Wiederherstellung hormoneller Balance, Stoffwechselgesundheit und langfristiger Lebensqualität.


Estriol – das unterschätzte Östrogen

Estriol (E3) ist eines der drei wichtigsten körpereigenen Östrogene und gilt als das „mildeste“ und kleine Schwester unter ihnen. Es entsteht überwiegend aus Estradiol und Estron und spielt vor allem in der Schwangerschaft eine zentrale Rolle, ist aber auch außerhalb davon klinisch relevant.

Im Vergleich zu Estradiol wirkt Estriol deutlich schwächer, hat aber spezifische Vorteile. Es bindet bevorzugt an Östrogenrezeptoren in Haut, Schleimhäuten und Urogenitaltrakt. Dadurch unterstützt es die Regeneration und Durchblutung von Gewebe, verbessert die Schleimhautstruktur und fördert die lokale Immunabwehr.

Ein Mangel an Estriol zeigt sich häufig durch trockene Schleimhäute, vaginale Beschwerden, erhöhte Infektanfälligkeit im Urogenitalbereich sowie Hauttrockenheit und beschleunigte Hautalterung. Besonders in der Peri- und Postmenopause nimmt Estriol deutlich ab.

Therapeutisch wird Estriol vor allem lokal eingesetzt, etwa bei vaginaler Atrophie, Reizungen oder wiederkehrenden Infektionen. Durch seine geringe systemische Wirkung gilt es als gut verträglich und kann gezielt dort wirken, wo Beschwerden entstehen.

Estriol ist kein primäres Hormon zur systemischen Hormontherapie, sondern ein gezielt einsetzbares Gewebshormon mit klarem Fokus auf Schleimhäute, Haut bzw Hautalterung und lokale Regeneration, auch im Bereich der Hormonkosmetik.


Testosteronmangel bei Frauen

ist häufig, wird aber selten gezielt erkannt. Die Spiegel sinken bereits ab dem dritten Lebensjahrzehnt kontinuierlich, zusätzlich verstärkt durch hormonelle Kontrazeption, chronischen Stress, Untergewicht, exzessiven Ausdauersport oder eine reduzierte Ovarialfunktion. Auch nach der Menopause fehlt ein wesentlicher Anteil der androgenen Produktion.

Klinisch zeigt sich ein Defizit oft unspezifisch. Typisch sind Libidoverlust, reduzierte sexuelle Erregbarkeit, verminderte Energie, Antriebslosigkeit und ein Verlust an Muskelkraft. Viele Patientinnen berichten über Konzentrationsprobleme, geringere Stressresistenz und eine insgesamt reduzierte Lebensfreude. Körperlich kann es zu einer Zunahme des Fettanteils bei gleichzeitigem Muskelabbau kommen. Auch die Knochendichte und die Regenerationsfähigkeit können negativ beeinflusst sein.

Diagnostisch ist die Interpretation anspruchsvoll. Gesamttestosteron allein ist oft wenig aussagekräftig. Entscheidend ist die freie Fraktion, beeinflusst durch SHBG, sowie die klinische Symptomatik. Niedrig-normale Werte können bereits mit deutlichen Beschwerden einhergehen.

Therapeutisch kann bioidentes Testosteron in niedriger Dosierung eingesetzt werden, individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert. Ziel ist keine supraphysiologische Substitution, sondern die Wiederherstellung eines funktionellen Bereichs mit Verbesserung von Energie, Libido, Muskelstatus und Lebensqualität. Begleitend sollten beeinflussbare Faktoren wie Stress, Schlaf, Ernährung und körperliches Training optimiert werden, da sie direkt auf die androgenen Achsen wirken.


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